Doç. Dr. Cengiz Andan

Harninkontinenz

Harninkontinenz ist kein Schicksal: TOT/TVT-Operationen und aktuelle Lösungen

Lachen, Niesen, eine schwere Tasche heben oder mit dem Kind im Park rennen… Diese alltäglichen Handlungen können für viele Frauen zu einer großen Angstquelle werden. Es gibt Tausende von Frauen, die sich aus dem sozialen Leben zurückziehen, zögern, Wasser zu trinken, und gezwungen sind, ständig Binden zu benutzen, aus Angst vor: „Habe ich Urin verloren?“, „Ist meine Kleidung nass geworden?“ oder „Wird man es riechen?“.

Leider wird Harninkontinenz (Blasenschwäche) in der Gesellschaft oft als „natürliche Folge des Alterns“ oder „der Preis für eine Geburt“ angesehen. Als Doz. Dr. Cengiz Andan möchte ich jedoch ganz klar feststellen: Harninkontinenz ist kein Schicksal; es ist ein medizinischer Zustand, der behandelt werden kann. Und mit der heutigen Technologie ist es möglich, dieses Problem mit einer Operation von nur 15–20 Minuten loszuwerden.

Warum verliere ich Urin? Benennen wir das Problem

Vor Beginn der Behandlung muss die Art der Inkontinenz bestimmt werden. Es gibt zwei Arten, die bei Frauen am häufigsten vorkommen:

  1. Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz): Hierbei handelt es sich um den tröpfchenweisen oder stärkeren Urinverlust in Situationen, in denen der Druck im Bauchraum steigt (Husten, Niesen, Lachen, schweres Heben, Treppensteigen). Die Ursache ist meist eine Schwächung der Muskeln und des Bindegewebes, die den Blasenhals stützen. Dies ist die häufigste Art und die Gruppe, die am besten auf eine chirurgische Behandlung (TOT/TVT) anspricht.
  2. Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz): Dies ist die Situation eines plötzlichen, starken Harndrangs und des Urinverlusts, bevor die Toilette erreicht wird. Sie ist auch als „überaktive Blase“ bekannt. Sie hängt im Allgemeinen eher mit einer unwillkürlichen Kontraktion der Blasenmuskulatur als mit Muskelschwäche zusammen, und bei ihrer Behandlung haben Medikamente Vorrang.

Bei einigen Patientinnen treten beide Zustände gemeinsam auf (Mischinkontinenz).

Harninkontinenz ist kein Schicksal: TOT/TVT-Operationen und aktuelle Lösungen

Zugrundeliegende Ursachen der Harninkontinenz

  • Schwere Geburten: Traumatische Prozesse wie die Geburt eines großen Babys, mehrere Geburten oder Vakuumgeburten (Saugglocke) können die Beckenbodenmuskulatur reißen lassen oder lockern.
  • Menopause: Mit dem Rückgang des Östrogenhormons verlieren die Gewebe in der Vagina und den Harnwegen ihre Elastizität und werden dünner.
  • Genetische Faktoren: Das Bindegewebe einiger Frauen ist von Geburt an lockerer (Kollagenmangel).
  • Adipositas und chronische Krankheiten: Übergewicht belastet die Blase ständig durch Erhöhung des intraabdominellen Drucks. Chronischer Husten (Asthma, Rauchen) und Verstopfung erhöhen ebenfalls das Risiko.

Die definitive Lösung: TOT- und TVT-Operationen (Schlingenoperationen)

Früher waren Inkontinenzoperationen Eingriffe, die mit einem offenen Schnitt am Bauch durchgeführt wurden, geringe Erfolgsraten hatten und eine schwierige Genesung mit sich brachten. Die in den letzten 20 Jahren entwickelten Schlingenmethoden (Sling-Operationen) haben jedoch eine Revolution auf diesem Gebiet ausgelöst.

Die Methoden, die wir in unserer Klinik am häufigsten anwenden, sind TOT (Transobturator Tape) und TVT (Tension-free Vaginal Tape) Operationen.

Wie wird der Eingriff durchgeführt? Die Logik dieser Operationen ist recht einfach: Ein hängemattenartiges Stützband (synthetisches Netz) wird unter die Harnröhre (Urethra), die aus der Blase austritt, gelegt.

  • Schnittfrei: Der Eingriff erfolgt vollständig auf vaginalem Weg. Es gibt keinen Schnitt am Bauch.
  • Kurze Dauer: Er ist in durchschnittlich 15–20 Minuten abgeschlossen.
  • Mechanismus: Dieses platzierte Band stützt die Harnröhre von unten (wie eine Dichtung am Wasserhahn), wenn Sie husten oder lachen, und verhindert so den Urinverlust.
Harninkontinenz ist kein Schicksal: TOT/TVT-Operationen und aktuelle Lösungen

Was, wenn eine Blasensenkung (Zystozele) vorliegt?

Bei den meisten Patientinnen mit Inkontinenzbeschwerden tritt auch die Klage über eine „aus der Scheide tastbare Masse“ auf, also eine Blasensenkung (Zystozele). In diesem Fall führen wir in einer einzigen Sitzung einen kombinierten Eingriff durch. Wir heben sowohl die abgesenkte Blase an und straffen die Vagina (Vaginoplastik / Zystozelenreparatur) als auch platzieren das TOT/TVT-Band, um die Harninkontinenz zu verhindern. Die Patientin wird beide Probleme mit einer einzigen Narkose los.

Ein neues Leben nach der Operation

Der Satz, den unsere Patientinnen nach der Operation am häufigsten sagen, ist: „Ich wünschte, ich hätte nicht all die Jahre gewartet.“

  • Schnelle Entlassung: Sie werden in der Regel am selben Tag oder am nächsten Morgen entlassen.
  • Schmerzfreier Prozess: Die Schmerzen sind minimal; Sie können innerhalb von 3–5 Tagen in Ihren Alltag zurückkehren.
  • Selbstvertrauen: Die Notwendigkeit, Binden zu benutzen, verschwindet. Sie können anziehen, was Sie wollen, ohne Angst lachen und Sport treiben.

Für uns bedeutet Erfolg nicht nur, dass Sie den Urin halten können; es bedeutet, Ihnen die verlorene Lebensfreude zurückzugeben.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist die Operation eine endgültige Lösung, kommt die Inkontinenz wieder?

 Die Erfolgsquote von TOT- und TVT-Operationen liegt auf einem sehr hohen Niveau von 90–95 %. Wenn sie von erfahrenen Händen, mit der richtigen Technik und unter Verwendung von hochwertigem Material (Netz) durchgeführt werden, bieten sie eine lebenslange Dauerhaftigkeit. Ein Rückfall kann jedoch selten auftreten, wenn die Patientin nach der Operation übermäßig an Gewicht zunimmt oder chronischer Husten anhält.

Sie wirkt sich nicht negativ aus, im Gegenteil, sie wirkt sich positiv aus. Frauen, die Sexualität aus Angst vor Urinverlust oder wegen abgesacktem Gewebe meiden, gewinnen nach der Operation ihr Selbstvertrauen zurück, sodass sich ihr Sexualleben verbessert. Nach 6 Wochen (1,5 Monaten) sexueller Abstinenz, was dem Heilungsprozess entspricht, kann zur Normalität zurückgekehrt werden.

Nein, es bleibt keine Narbe. Der Eingriff erfolgt vollständig innerhalb der Vagina. Von außen sind keine Stichspuren oder Wunden sichtbar.

Ja, das kann passieren. Die Geburt ist der größte Risikofaktor, aber Harninkontinenz kann auch bei jungen Frauen, die nie entbunden haben, aufgrund von genetischer Bindegewebsschwäche, Übergewicht oder neurologischen Ursachen auftreten und mit denselben Methoden behandelt werden.

Eine Laserbehandlung kann bei sehr leichten Graden von Harninkontinenz und unterstützend zur vaginalen Straffung eingesetzt werden. Bei mittlerer und fortgeschrittener Inkontinenz, die von anatomischen Defekten (Senkung) begleitet wird, reicht der Laser allein jedoch nicht aus. Die Chirurgie (TOT/TVT) ist der Goldstandard und die definitive Lösung.

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