Doç. Dr. Cengiz Andan

Online-Zweitmeinung

Müssen die Zysten beim PCO-Syndrom entfernt werden?

Nein. Und die Begründung ist so klar, dass sie jede Diskussion beendet: Man würde gesundes Gewebe entfernen und die Ursache unangetastet lassen.

Kurze Antwort. Nein. Die Bläschen beim PCO-Syndrom sind keine krankhaften Zysten, sondern funktionsfähige Follikel – jeder einzelne enthält eine Eizelle. Sie zu entfernen bedeutet, Eizellreserve zu zerstören, ohne die hormonelle Ursache zu berühren. Das PCO-Syndrom wird medikamentös und über den Lebensstil behandelt. Eine Operation am Eierstock kommt nur in sehr seltenen Ausnahmefällen und aus einem anderen Grund infrage.

Laparoskopische gynäkologische Operation in Istanbul – Assoc. Prof. Dr. Cengiz Andan

Warum eine Operation hier schadet

Diese Frage stellt sich in der Betreuung bei Eierstockzysten regelmäßig – und sie beruht fast immer auf einem Missverständnis des Befundes.

Jedes dieser Bläschen ist ein Follikel, und jeder Follikel enthält eine Eizelle. Sie sind nicht defekt – ihnen fehlt lediglich das hormonelle Signal, das sie zur Reife bringen würde. Entfernt man sie, entfernt man Eizellen. Und die Zahl der Eizellen, über die eine Frau verfügt, lässt sich nicht wiederherstellen.

Das ist der Kern der Antwort. Eine Operation würde ein Organ verkleinern, das ohnehin nicht zu viel, sondern zu wenig leistet – und sie würde die eigentliche Ursache, die hormonelle Störung, völlig unberührt lassen. Worin sich diese Bläschen von echten Zysten unterscheiden, steht unter PCO-Syndrom oder Eierstockzyste – wo liegt der Unterschied?.

Quelle: ESHRE-Leitlinie Endometriose (2022) – Operatives Vorgehen beim PCOS: Indikationen und Grenzen.

Gynäkologische Operation im Operationssaal in Istanbul
Gynäkologische Operation im Operationssaal in Istanbul

Warum eine Operation hier schadet

Vier Gründe sprechen dagegen – und keiner davon lässt sich durch eine bessere Technik entkräften.

GrundErläuterung
Verlust von EizellreserveJedes entfernte Bläschen ist eine verlorene Eizelle
Die Ursache bleibt bestehenDie hormonelle Störung sitzt nicht im Eierstock allein
Die Bläschen kehren zurückSolange kein Eisprung stattfindet, entstehen neue
VerwachsungenJede Operation am Eierstock kann Verwachsungen verursachen und die Fruchtbarkeit mindern

Die dritte Zeile ist das entscheidende Argument gegen jede Wiederholung: Man kann nicht wegoperieren, was der Körper laufend neu bildet.

Was stattdessen behandelt wird

Die Behandlung setzt dort an, wo die Störung entsteht – im Hormonhaushalt und im Stoffwechsel.

ZielVorgehen
Regelmäßiger Zyklus, VerhütungKombiniertes hormonelles Präparat
KinderwunschMedikamentöse Auslösung des Eisprungs
InsulinresistenzBewegung, Gewichtsabnahme, gegebenenfalls Medikamente
Vermehrte Behaarung, AkneHormonelle Behandlung, dermatologische Unterstützung
Schutz der GebärmutterschleimhautRegelmäßige Blutungen herbeiführen, wenn sie ausbleiben

Die letzte Zeile wird oft vergessen und ist medizinisch bedeutsam: Bleiben die Blutungen über lange Zeit vollständig aus, kann sich die Gebärmutterschleimhaut ungünstig verändern. Deshalb gehört ein geregelter Blutungsrhythmus zum Behandlungsplan – auch bei Frauen ohne Verhütungswunsch.

Der eine Ausnahmefall

Es gibt ein Verfahren, bei dem am Eierstock operiert wird – die sogenannte ovarielle Punktion bei der Bauchspiegelung. Dabei werden mit feinen Instrumenten wenige Stellen der Eierstockoberfläche behandelt, um den Eisprung wieder in Gang zu bringen.

Dieses Verfahren ist kein Entfernen von Zysten. Es ist ein Eingriff bei unerfülltem Kinderwunsch, wenn medikamentöse Behandlungen nicht gewirkt haben – und es wird heute deutlich zurückhaltender eingesetzt als früher, weil auch hier Eierstockgewebe verloren geht. Es ist eine Ausnahme, keine Regel, und es gehört in erfahrene Hände.

Wann doch operiert wird – aber aus anderem Grund

Frauen mit PCO-Syndrom können zusätzlich eine echte Zyste entwickeln – ein Dermoid, ein Endometriom, ein Zystadenom. Diese Befunde werden nach denselben Regeln behandelt wie bei jeder anderen Frau, und wenn eine Operation nötig ist, wird operiert.

Der Unterschied liegt in der Begründung: Operiert wird die echte Zyste, nicht das PCO-Syndrom. Diese Trennung sollte im Aufklärungsgespräch ausdrücklich benannt werden. Was in dieser Situation wirklich vorbeugt, steht unter Wie kann ich verhindern, dass Eierstockzysten wiederkommen?.

Wenn Ihnen eine Operation vorgeschlagen wird, stellen Sie eine einzige Frage: Was genau soll entfernt werden und warum? Lautet die Antwort „die Zysten an den Eierstöcken“, holen Sie eine zweite Meinung ein. In Istanbul-Nişantaşı habe ich Frauen gesehen, denen genau das vorgeschlagen wurde – und die anschließend eine verminderte Eizellreserve hatten, ohne dass sich an ihrem Zyklus etwas gebessert hätte.

Quelle: ACOG Practice Bulletin Nr. 174 – Fertilitätserhalt bei PCOS.

Zweitmeinung. Wenn Ihnen bei PCO-Syndrom eine Operation vorgeschlagen wurde, prüfen Sie das mit einer Zweitmeinung vor einer Operation bei PCOS.

Eine Ergänzung für Frauen mit Kinderwunsch: Die medikamentöse Auslösung des Eisprungs ist bei PCO-Syndrom in den meisten Fällen erfolgreich – häufig innerhalb weniger Behandlungszyklen. Das ist die eigentliche gute Nachricht dieser Diagnose: Das Hindernis ist der fehlende Eisprung, und dieses Hindernis lässt sich überwinden.

Und noch ein Wort zur Beratung: Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine Operation vor allem deshalb vorgeschlagen wird, weil auf dem Ultraschallbild „etwas zu sehen“ ist, fragen Sie nach dem Ziel des Eingriffs. Ein Bild ist kein Behandlungsziel. Ein regelmäßiger Zyklus, ein Eisprung, weniger Beschwerden – das sind Ziele.

Zusammengefasst: Ein Ultraschallbild ist kein Operationsgrund. Wenn Ihnen jemand die Bläschen entfernen möchte, hat er das Wesen dieser Erkrankung nicht verstanden – und Sie bezahlen das mit Eizellen.

Und ein Wort zur Eizellreserve: Sie lässt sich mit einem einfachen Blutwert und einem Ultraschall abschätzen. Wenn bei Ihnen ein Eingriff am Eierstock erwogen wird, gehört diese Bestimmung vorher gemacht – damit Sie wissen, was auf dem Spiel steht, bevor entschieden wird.

Und ein Punkt zur Langfristigkeit: Das PCO-Syndrom begleitet eine Frau über Jahrzehnte, aber es verändert sich. In jungen Jahren stehen Zyklus und Kinderwunsch im Vordergrund, später der Stoffwechsel. Eine Behandlung, die heute passt, muss in zehn Jahren nicht mehr die richtige sein – deshalb gehört diese Diagnose regelmäßig neu bewertet.

Fragen und Antworten zur Operation bei PCOS

Die häufigsten Fragen zur Behandlung.

FrageKurze AntwortWas daraus folgt
Müssen die Bläschen weg?Nein.Es sind Eizellen.
Verschwinden sie durch eine OP?Nur vorübergehend.Neue entstehen laufend.
Schadet eine Operation?Ja, sie kostet Eizellreserve.Und bringt keinen Nutzen.
Was ist die richtige Behandlung?Hormone und Lebensstil.Nicht das Skalpell.
Und bei Kinderwunsch?Eisprung auslösen.Meist medikamentös.
Assoc. Prof. Dr. Cengiz Andan – ärztliche Einschätzung

Es gibt in meinem Fach wenige Eingriffe, die so eindeutig falsch sind wie das Entfernen von PCOS-Bläschen. Man nimmt einer jungen Frau Eizellen weg, um ein Ultraschallbild zu verschönern – und ihr Zyklus bleibt danach genauso unregelmäßig wie zuvor. Wenn Ihnen das vorgeschlagen wird, gehen Sie.

Doç. Dr. Cengiz Andan
Doç. Dr. Cengiz ANDANOnline
Merhaba.
Size nasıl yardımcı olabilirim?