Doç. Dr. Cengiz Andan

Online-Zweitmeinung

Können sich Myome in Krebs verwandeln?

Das Wort „Tumor“ im Befund löst bei vielen Frauen sofort Sorge vor Krebs aus – auch wenn „Myom“ eigentlich nur „gutartige Geschwulst“ bedeutet und in dieser Hinsicht harmlos ist.

Kurzantwort. Myome sind gutartig, und eine bösartige Entartung ist extrem selten – Schätzungen gehen von deutlich unter 1 von 1.000 Fällen aus. Warnzeichen sind vor allem ein sehr rasches Wachstum oder eine untypische Durchblutung in der Bildgebung, nicht die Größe an sich, und werden bei uns gezielt und ohne unnötige Verzögerung abgeklärt.

Wissenschaftliches Panel zu laparoskopischer Myom- und Krebschirurgie, Assoc. Prof. Dr. Cengiz Andan, Istanbul

Wie oft eine Entartung wirklich vorkommt

Ein Myom besteht aus glatter Muskulatur der Gebärmutterwand und ist per Definition gutartig. Die bösartige Verwandte, das Leiomyosarkom, entsteht nach aktuellem Kenntnisstand in den allermeisten Fällen unabhängig von einem bestehenden Myom und nicht durch dessen Umwandlung. Die geschätzte Häufigkeit liegt bei deutlich unter einem Fall pro tausend Operationen wegen vermeintlicher Myome.

Diese Zahl mag klein erscheinen, ist aber der Grund, warum wir bei bestimmten Auffälligkeiten – etwa sehr schnellem Wachstum – zusätzliche Bildgebung veranlassen, bevor wir eine Behandlung planen.

Quelle: ACOG — Leitlinien zu Uterusmyomen und Leiomyosarkom.

Warnzeichen, auf die wir tatsächlich achten

Fachliche Fortbildung zur Differenzialdiagnostik bei Uterustumoren, Istanbul

Statt sich an der Größe zu orientieren, prüfen wir gezielt die folgenden Auffälligkeiten, bevor wir eine bösartige Veränderung in Betracht ziehen.

AuffälligkeitWarum sie relevant ist
Sehr rasches WachstumDeutliche Zunahme innerhalb weniger Monate wird ernst genommen
Wachstum nach den WechseljahrenMyome sollten nach der Menopause eher schrumpfen, nicht wachsen
Untypische Durchblutung im UltraschallKann zusätzliche MRT-Diagnostik nach sich ziehen
Unregelmäßige Begrenzung in der BildgebungSpricht für eine genauere Abklärung statt sofortiger Einordnung als Myom

Mehr zur Durchblutung im Ultraschall: Durchblutung im Myom auf dem Ultraschall: Was bedeutet das?

Warum das Alter der Patientin ein zusätzlicher Faktor ist

Ein Leiomyosarkom tritt statistisch häufiger bei Frauen nach den Wechseljahren auf als bei jüngeren Frauen, wenn auch insgesamt sehr selten. Neues oder anhaltendes Wachstum eines vermeintlichen Myoms nach der Menopause bewerten wir deshalb grundsätzlich vorsichtiger als vergleichbares Wachstum bei einer Frau in den Dreißigern, bei der die weit überwiegende Mehrheit der Wachstumsveränderungen weiterhin gutartig bleibt.

Diese altersabhängige Einordnung ist ein Beispiel dafür, warum dieselbe Bildgebung je nach Lebensphase unterschiedlich interpretiert wird – nicht, weil sich die Technik ändert, sondern weil sich die statistische Ausgangswahrscheinlichkeit verändert.

Wie eine bösartige Veränderung unterschieden wird

Da weder Ultraschall noch MRT eine Entartung zu hundert Prozent ausschließen können, verlässt sich die Diagnostik auf ein Zusammenspiel aus Bildgebungsmerkmalen, Wachstumsverlauf und klinischem Bild. Eine gezielte Biopsie ist dabei selten hilfreich und wird nur in Ausnahmefällen eingesetzt.

Bei begründetem Verdacht ist häufig die operative Entfernung mit anschließender feingeweblicher Untersuchung der zuverlässigste Weg, um vollständige Klarheit zu bekommen.

Weiterführend: Myom oder Sarkom: Wie erkennt man den Unterschied?

Abklärung in unserer Klinik in Nişantaşı, Istanbul

In unserer Klinik in Nişantaşı, Istanbul, ordnen wir bei auffälligem Wachstumsverlauf zusätzliche MRT-Diagnostik an, bevor wir über das weitere Vorgehen sprechen. Ziel ist immer, unnötige Sorgen zu vermeiden, ohne echte Warnzeichen zu übersehen.

Patientinnen, die mit der Sorge vor einer bösartigen Erkrankung zu uns kommen, erhalten eine klare, verständliche Einordnung ihres Befundes – auf Basis der tatsächlichen Bildgebungsmerkmale statt der reinen Größe. Wir nehmen uns für dieses Gespräch bewusst ausreichend Zeit, auch wenn es bedeutet, dass ein Termin länger dauert als ursprünglich geplant, weil Verständnis in dieser Situation genauso wichtig ist wie die medizinische Einordnung selbst.

Zweitmeinung. Wurde bei Ihnen rasches Myomwachstum festgestellt und Sie möchten Sicherheit? Sie können bei Assoc. Prof. Dr. Cengiz Andan eine unabhängige Zweitmeinung zu Ihrem Myombefund anfordern.

Wie die Nachsorge nach einer beruhigenden Diagnose aussieht

Ist eine bösartige Veränderung nach sorgfältiger Diagnostik ausgeschlossen, endet die Betreuung damit nicht abrupt. Wir legen gemeinsam einen Kontrollrhythmus fest, der sich am individuellen Risiko orientiert – bei unauffälligem Befund meist eine jährliche Ultraschallkontrolle, bei zuvor grenzwertigen Merkmalen auch engmaschiger.

Diese Nachsorge dient nicht in erster Linie der erneuten Krebssuche, sondern der Beobachtung des ganz normalen Wachstumsverhaltens von Myomen. So lässt sich frühzeitig erkennen, wenn ein bislang stabiler Befund sich verändert, ohne dass jede Kontrolle von neuer Sorge begleitet sein muss.

Viele Patientinnen berichten, dass allein das Wissen um einen klaren, dokumentierten Kontrollplan die Angst vor dem nächsten Ultraschalltermin deutlich reduziert – ein Effekt, den wir in der Nachsorge bewusst mit einplanen.

Warum ausführliche Aufklärung bei dieser Sorge besonders wichtig ist

Die Angst vor Krebs gehört zu den am schwersten auszuräumenden Sorgen in der gynäkologischen Sprechstunde, selbst wenn die statistische Grundlage eindeutig beruhigend ist. Deshalb erklären wir nicht nur die Zahlen, sondern auch, warum wir zu einer bestimmten Einschätzung kommen – welche Bildmerkmale wir gesehen haben, warum sie für Gutartigkeit sprechen und was uns im Gegenteil aufhorchen lassen würde.

Diese ausführliche Erklärung nimmt erfahrungsgemäß mehr Angst als die reine Nennung einer Wahrscheinlichkeit, weil Patientinnen dadurch selbst nachvollziehen können, worauf die Einschätzung beruht. Unser Ziel ist, dass jede Frau die Klinik mit einem klaren Verständnis ihres eigenen Befundes verlässt, nicht nur mit einer beruhigenden Formulierung im Arztbrief. Aus diesem Grund bieten wir bei Bedarf auch an, die relevanten Bildausschnitte in Kopie mitzugeben, damit die Einordnung auch nach dem Termin nachvollziehbar bleibt. So kann eine Patientin die Erklärung in Ruhe zu Hause nachlesen und bei Rückfragen gezielt darauf zurückkommen.

Myome und Krebsrisiko – häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zum Zusammenhang zwischen Myomen und einer möglichen bösartigen Erkrankung.

FrageKurzantwortWas zu tun ist
Kann sich ein Myom über Jahre in Krebs verwandeln?Nach aktuellem Kenntnisstand entstehen Sarkome unabhängig vom Myom.Bei Unsicherheit Bildgebung erneut auswerten lassen.
Wie häufig ist ein Leiomyosarkom?Deutlich unter 1 von 1.000 Fällen bei vermeintlichen Myomen.Einordnung im persönlichen Gespräch besprechen.
Ist schnelles Wachstum immer ein Warnzeichen?Es ist ein Grund für zusätzliche Abklärung, aber kein Beweis.MRT-Diagnostik in Betracht ziehen.
Kann eine Biopsie Sicherheit geben?Sie ist bei Myomen selten aussagekräftig.Alternative Diagnostik besprechen.
Was passiert bei begründetem Verdacht?Meist wird eine operative Entfernung mit feingeweblicher Untersuchung empfohlen.Vorgehen individuell mit dem Behandlungsteam klären.

Die Sorge vor Krebs ist die häufigste unausgesprochene Frage, wenn ich einen Myombefund erkläre. Ich nenne die Zahlen bewusst konkret, weil sie beruhigender wirken als vage Formulierungen – und weil ich echte Warnzeichen nie herunterspielen möchte. Gerade weil das Wort „Tumor“ im Befund oft unnötige Angst auslöst, versuche ich von der ersten Minute an, zwischen medizinischer Fachsprache und tatsächlichem Risiko zu unterscheiden. Diese Unterscheidung ist es, die den meisten Patientinnen am Ende hilft, ruhiger mit ihrem Befund umzugehen, ohne echte Warnzeichen zu ignorieren. Genau dieses Gleichgewicht zwischen Beruhigung und Wachsamkeit versuche ich in jedem Gespräch neu zu treffen.

Doç. Dr. Cengiz Andan
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Merhaba.
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