Doç. Dr. Cengiz Andan

Online-Zweitmeinung

Asherman-Syndrom: lässt sich Narbengewebe beheben?

Die Diagnose Asherman-Syndrom klingt für viele Frauen zunächst endgültig – dabei gibt es einen etablierten, wirksamen Behandlungsweg.

Kurzantwort. Das Asherman-Syndrom, bestehend aus Narbengewebe und Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle, kann durch eine hysteroskopische Operation behandelt werden, die dieses Gewebe entfernt und die Gebärmutterhöhle wiederherstellt. Der Erfolg hängt stark vom Ausmaß der Verwachsungen ab. Wie diese Behandlung im Detail funktioniert, erklären wir im Folgenden.

Assoc. Prof. Dr. Cengiz Andan, Gynäkologe in Istanbul-Nişantaşı

Was das Asherman-Syndrom genau ist

Beim Asherman-Syndrom bilden sich Narbenstränge und Verwachsungen innerhalb der Gebärmutterhöhle, die die gegenüberliegenden Wände der Gebärmutter teilweise oder vollständig miteinander verkleben. Diese Verwachsungen können die Gebärmutterhöhle verengen oder in schweren Fällen fast vollständig verschließen, was zu einer ungewöhnlich schwachen oder vollständig ausbleibenden Menstruation sowie zu Fruchtbarkeitsproblemen führen kann.

Quelle: ACOG — Definition und Auswirkungen des Asherman-Syndroms.

Der Name der Erkrankung geht auf den Arzt zurück, der dieses Krankheitsbild erstmals systematisch beschrieben hat. Heute ist bekannt, dass das Ausmaß der Verwachsungen von wenigen, dünnen Gewebesträngen bis hin zu einer nahezu vollständigen Verklebung der gesamten Gebärmutterhöhle reichen kann, was die große Bandbreite der Beschwerden erklärt.

Wie das Asherman-Syndrom typischerweise entsteht

Am häufigsten entsteht diese Verwachsungsbildung nach einer Ausschabung, insbesondere im Zusammenhang mit einer Fehlgeburt oder Geburt, wenn die Gebärmutterschleimhaut durch den Eingriff verletzt wird und bei der Heilung Narbengewebe anstelle von gesunder Schleimhaut nachwächst. Auch Gebärmutterentzündungen oder frühere Operationen an der Gebärmutter können in selteneren Fällen zu dieser Verwachsungsbildung beitragen.

Auslösendes EreignisZusammenhang mit Asherman-Syndrom
Ausschabung nach Fehlgeburthäufigste bekannte Ursache
Ausschabung nach Geburtebenfalls relevante Ursache
Gebärmutterentzündungseltenere, aber mögliche Ursache
Frühere Gebärmutteroperationgelegentlich beitragender Faktor

Nicht jede Ausschabung führt zu einem Asherman-Syndrom – das individuelle Risiko hängt unter anderem davon ab, wie viele Ausschabungen bereits erfolgt sind und wie stark die Gebärmutterschleimhaut dabei jeweils beansprucht wurde. Wiederholte Eingriffe erhöhen das Risiko tendenziell zusätzlich.

Wie gut sich das Narbengewebe tatsächlich behandeln lässt

Bei leichten bis mittleren Verwachsungen lässt sich das Narbengewebe durch eine hysteroskopische Adhäsiolyse in der Regel gut lösen, wobei die Gebärmutterhöhle in ihre normale Form zurückgeführt wird und sich Menstruation sowie Fruchtbarkeit bei vielen Frauen deutlich verbessern. Bei sehr ausgeprägten, schweren Verwachsungen ist der Erfolg begrenzter, da sich stark vernarbtes Gewebe nicht immer vollständig durch gesunde Schleimhaut ersetzen lässt.

Verwachsungen werden üblicherweise nach etablierten Klassifikationssystemen in leichte, mittlere und schwere Grade eingeteilt, die auf dem Ausmaß der betroffenen Fläche und der Dicke der Verwachsungen basieren. Diese Einteilung hilft, die realistischen Erfolgsaussichten vor der Operation besser einzuschätzen.

Weiterlesen: Hysteroskopische Adhäsiolyse: Ablauf und Erfolgsaussichten

Was den Behandlungserfolg maßgeblich beeinflusst

Das Ausmaß der Verwachsungen vor der Operation ist der wichtigste Einzelfaktor für den zu erwartenden Erfolg – leichte, dünne Verwachsungen sprechen deutlich besser auf die Behandlung an als dicke, ausgedehnte Vernarbungen, die einen Großteil der Gebärmutterhöhle betreffen. Auch die Erfahrung des Operateurs mit dieser technisch anspruchsvollen Operation spielt eine wichtige Rolle für das Ergebnis.

Quelle: NHS — Faktoren für den Erfolg der Asherman-Behandlung.

In unserer Praxis in Istanbul-Nişantaşı klären wir vor jeder Operation ehrlich über die individuell zu erwartende Erfolgsaussicht auf, basierend auf dem in der Bildgebung sichtbaren Ausmaß der Verwachsungen.

Diese Ehrlichkeit ist uns besonders wichtig, da falsche Erwartungen bei einer so emotional bedeutsamen Diagnose zusätzliches, vermeidbares Leid verursachen können, wenn das tatsächliche Ergebnis später von übertrieben optimistischen Vorabversprechen abweicht.

Zweitmeinung. Bei einer Asherman-Syndrom-Diagnose können Sie eine Zweitmeinung zum Asherman-Syndrom anfragen.

Warum eine frühzeitige Diagnose den Behandlungserfolg verbessert

Je früher Verwachsungen erkannt und behandelt werden, desto besser sind in der Regel die Erfolgsaussichten, da sich frisches Narbengewebe leichter lösen lässt als über Jahre gefestigte, chronische Verwachsungen. Frauen, die nach einer Ausschabung eine auffällig schwache oder ausbleibende Periode bemerken, sollten diesen Befund deshalb zeitnah abklären lassen, statt abzuwarten.

Diese frühzeitige Aufmerksamkeit für ein sich veränderndes Blutungsmuster nach einem gynäkologischen Eingriff kann entscheidend dazu beitragen, ein Asherman-Syndrom in einem noch gut behandelbaren Stadium zu erkennen.

Wir empfehlen jeder Frau, die eine Ausschabung oder einen ähnlichen Eingriff hinter sich hat, ihre erste Periode danach bewusst zu beobachten und bei deutlicher Abweichung vom gewohnten Muster nicht zu zögern, dies ärztlich ansprechen zu lassen.

Auch Frauen ohne aktuellen Kinderwunsch sollten ein Asherman-Syndrom nicht als vernachlässigbar betrachten: Neben den Fruchtbarkeitsaspekten kann eine stark eingeschränkte oder ausbleibende Menstruation auch auf andere hormonelle Zusammenhänge hinweisen, deren Abklärung unabhängig von einer möglichen künftigen Schwangerschaft sinnvoll ist. Eine vollständige gynäkologische Untersuchung schafft hier in jedem Fall Klarheit.

Wir betonen gegenüber jeder Patientin, dass eine frühzeitige Abklärung niemals ein Zeichen von Übervorsicht ist, sondern die verantwortungsvollste Reaktion auf ein ungewöhnliches Blutungsmuster nach einem gynäkologischen Eingriff, unabhängig davon, ob aktuell ein Kinderwunsch besteht oder nicht.

Diese Haltung spiegelt unser generelles Verständnis von guter gynäkologischer Betreuung wider: aufmerksam auf Veränderungen zu reagieren, statt abzuwarten, bis aus einem gut behandelbaren Frühbefund ein komplexeres Problem geworden ist.

Auch wenn das Asherman-Syndrom zunächst beunruhigend klingt, zeigt die gute Behandelbarkeit gerade leichter bis mittlerer Verwachsungen, dass eine fundierte, zeitnahe Diagnose meist der erste Schritt zu einer spürbaren, dauerhaften und für die betroffene Frau bedeutsamen Verbesserung ist.

Häufige Fragen und Antworten

Die wichtigsten Fragen zu diesem Thema im Überblick.

FrageKurzantwortWas zu tun ist
Was ist das Asherman-Syndrom?Narbengewebe und Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle.Kann Periode und Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Wodurch entsteht es meist?Häufig nach Ausschabungen oder Gebärmutterentzündungen.Nicht jede Ausschabung führt zu diesem Syndrom.
Lässt sich das Narbengewebe entfernen?Ja, durch eine hysteroskopische Operation.Der Erfolg hängt vom Ausmaß der Verwachsungen ab.
Kehren die Verwachsungen danach zurück?Bei ausgeprägten Fällen besteht ein gewisses Rückfallrisiko.Nachsorgemaßnahmen senken dieses Risiko.
Verbessert die Behandlung die Fruchtbarkeit?Bei vielen Frauen deutlich, abhängig vom Ausgangsbefund.Details auf unserer Seite zum Ablauf der Adhäsiolyse.

Das Asherman-Syndrom gehört zu den Diagnosen, bei denen ich besonders viel Wert auf eine ehrliche, differenzierte Aufklärung lege – der Behandlungserfolg hängt stark vom individuellen Ausmaß der Verwachsungen ab, und diese Bandbreite sollte jede Patientin von Anfang an kennen, bevor sie sich für die Operation entscheidet.

Doç. Dr. Cengiz Andan
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Merhaba.
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